„Geburtshilfe geht nicht ohne Hebammen“ (ZGF Bremen)

Landesfrauenbeauftragte Bettina Wilhelm zum Internationalen Hebammentag am 5. Mai

„Hingucken und handeln – für den Hebammenberuf!“, fordert die Bremer Landesfrauenbeauftragte Bettina Wilhelm zum Internationalen Hebammentag am morgigen Samstag (5. Mai). „Die Situation der Hebammen spitzt sich seit Jahren zu. Das gilt für die freiberuflichen wie für die angestellten Hebammen. Es gibt immer weniger Geburtshelferinnen – bei steigenden Geburtenraten. Die Situation in der Geburtshilfe ist genau so dramatisch wie in der Pflege, und wir brauchen Maßnahmen und Konzepte, die gegensteuern, damit der wunderbare Beruf der Geburtshelferin nicht ausstirbt. Denn nichts weniger steht auf dem Spiel!“

Während sich durch die immens gestiegenen Haftpflichtprämien in den vergangenen Jahren viele freiberufliche Hebammen zur Aufgabe der Geburtshilfe gezwungen sahen, hat sich auch die Arbeitssituation der angestellten Hebammen in den Krankenhäusern deutlich verschlechtert: Durch die Schließung kleinerer Krankenhäuser bzw. deren Geburtsstationen hat sich die Arbeit der Geburtshelferinnen in größeren Kliniken massiv verdichtet. Knapp 90 Prozent der rund 2000 angestellten Hebammen bundesweit machen laut einer Befragung des Deutschen Hebammenverbands regelmäßig Überstunden, nahezu 80 Prozent beklagen Personalabbau, Zunahme von Dokumentation und berufsfremder Tätigkeiten wie Pflege oder Putzarbeiten.

„Das Recht auf freie Wahl des Geburtsorts ist auch in Bremen schon jetzt nicht mehr gewährleistet“, so die Landesfrauenbeauftragte, „wenn die Bremer Geburtshäuser Schwangere abweisen müssen, weil sie nicht genug Hebammen haben, oder die letzten drei Beleghebammen vor einem Jahr die Geburtshilfe aufgegeben haben. Und das Recht auf körperliche Unversehrtheit kann nur deshalb gewahrt werden, weil die Hebammen hochengagiert und konzentriert – und über ihre Kräfte hinaus – bei der Sache sind. Drei Viertel der Hebammen in Bremen arbeiten in Teilzeit: vielfach, um dem hohen Arbeitsdruck überhaupt standhalten zu können.“

Für Bremen verweist Wilhelm zudem auf das Bündnis zur Unterstützung der natürlichen Geburt, das als das bundesweit erste seiner Art für Furore und zahlreiche Nachahmer gesorgt hat. In dem Bündnis haben sich auf Initiative der Gesundheitssenatorin und der Bremischen Zentralstelle für die Verwirklichung der Gleichberechtigung der Frau (ZGF) Ärztinnen und Ärzte aus Kliniken und Praxen, Hebammen und Krankenkassen zusammengetan. Gemeinsam haben sie Maßnahmen entwickelt, die hohe Kaiserschnittrate in Bremer Krankenhäusern zu senken. Mit Erfolg: Die Kaiserschnittrate ist bereits leicht gesunken, mit einem weiteren Rückgang wird gerechnet. „Diese Erfolge sind in Gefahr und die Arbeit des Bündnisses droht umsonst gewesen zu sein, wenn sich an der Arbeitssituation der Geburtshelferinnen nichts ändert. Für die freiberuflichen Hebammen brauchen wir dringend einen Bundesfonds, der die Haftpflichtrisiken übernimmt, und für die angestellten Hebammen eine deutliche Entlastung“, so Wilhelm abschließend, „denn Geburtshilfe geht nicht ohne Hebammen!“

Mehr zur Situation der Hebammen sowie ein Interview mit der Vorsitzenden des Hebammenlandesverbands Bremen Heike Schiffling finden Sie auf der ZGF-Website: https://www.frauen.bremen.de/sixcms/detail.php?gsid=bremen94.c.14998.de

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